Vor einigen Wochen träumte ich von einer Person, mit der ich einige Jahre zusammengearbeitet habe. Diese Zusammenarbeit war groß und sehr erfolgreich. Nur selten gab es Differenzen. Im Traum war Friede zwischen uns, ein gutes Zusammensein.
Einige Tage später schreibt mir diese Person. Sie erwähnt eine Situation, in der wir uneins waren, und entschuldigt sich für den Ton, den sie damals angeschlagen hatte. Das kam unerwartet, und es hat etwas gelöst zwischen uns. Dafür bin ich sehr dankbar.
Warum erzähle ich das? Weil sich darin zeigt, wie die Dinge zusammenhängen. Ein Traum, wenige Tage später eine reale Begegnung. Jemand schreibt mir, an den ich gedacht habe. Wir können eine alte Differenz auflösen, uns gegenseitig vergeben — und es entsteht eine neue Freiheit, eine Gelöstheit, eine Freude.
Für mich trat die Frage auf, welchen Einfluss meine Gedanken auf andere haben.
Szenenwechsel
Ich schaue in YouTube einige Ausschnitte aus dem Economist-Interview mit Elon Musk. Er spricht darüber, wann die KI die Summe der menschlichen Intelligenz übersteigen wird und wann sie sich unserer Kontrolle entziehen könnte. Mich hat weniger die Prognose getroffen als die Art und Weise, wie er sie ausspricht: das innere Aufgeben darin.
Zufällig finde ich kurz darauf ein anderes Interview mit ihm und schaue mitten hinein. Dort sagt er, es gäbe vielleicht doch noch einen Weg, mit der KI umzugehen — indem wir Menschen unser Bewusstsein erweitern.
Das fand ich hochinteressant. Da hat jemand, der wirklich an den Maschinen sitzt, im Blick, dass Bewusstsein sich entwickeln kann. Die Frage ist nur: worauf hin? Ich würde sagen: auf die geistig-seelischen Aspekte der Wirklichkeit. Auf eine Erweiterung des rein materialistischen Weltbildes.
Zwei Ausschnitte, aus zwei Interviews, an einem Nachmittag — und plötzlich ergibt sich ein Bild. Ob der Algorithmus mir das gebracht hat oder etwas anderes, lasse ich offen. Ich beschreibe nur das Phänomen: Solche Dinge passieren. Und wenn man wach ist, bemerkt man, dass sie zusammenhängen. So wie der Traum und die Begegnung danach.
Für mich trat hier die andere Frage auf, nämlich welchen Einfluss die Gedanken anderer auf mich haben?
Wo der Gedanke noch beweglich ist
In beiden Fällen werden Gedanken durch Wort, Text und Sprache ausgedrückt. Ursprünglich aber sind sie formlos — eher ein Erlebnis, ein Gefühl, ein Bild. Der Gedanke entsteht, wird bewusst, und erst dann greift die Sprache nach ihm.
Die KI beherrscht die Ebene der Sprache inzwischen sehr gut. Sie kann logisch denken, kann helfen zu ordnen, kann einen über die eigenen Fragen bewusster werden lassen. Was sie nicht hat, ist der formlose Teil des Gedankens.
Anders gesagt: In der Sprache, die dann als Text, Audio oder Video gespeichert wird, ist der ursprünglich formlose Gedanke verhärtet. Er ist zum festen Begriff geworden. Damit kann die KI hervorragend arbeiten. Wir Menschen aber haben die Möglichkeit, immer wieder zum Ursprungserlebnis zurückzukehren — dorthin, wo das Denken noch Tätigkeit ist und nicht schon fertiger Gedanke.
Beide Beispiele, der Traum und die Interviews, haben mir deutlicher gemacht, wie groß der Einfluss von Gedanken auf das wirkliche Leben ist. Dem Traum folgt, dass ich an die Person denke; sie schreibt mir. Die Gedanken von Musk nehme ich über ein Video wahr und verarbeite sie hier weiter.
Ständig bewegen wir uns zwischen dem formlosen Raum, wo Bilder und Gefühle leben, und dem fixierten Raum der Sprache und Vorstellungen.
Der Zugang
Der formlose Raum steht uns jederzeit zur Verfügung.
Ich betrete ihn meist, indem ich 1. mit meinem Bewusstsein in die Herzgegend gehe, 2. indem ich dort etwas langsamer atme, so wie es angenehm ist, und 3. indem ich dort ein kraftgebendes Gefühl, wie Wertschätzung, Dankbarkeit, Mitgefühl, Liebe, aktiviere und einige Momente darin lebe.
Durch diese Aufmerksamkeit im Herzraum, auch indem ich versuche zu mir und dann zu anderen freundlich zu sein (in Englisch würde man sagen: Be kind) — wird das Denken wieder weicher, beweglicher.
Manchmal genügt auch weniger, als die hier genannte Herzübung, nämlich der kurze Moment, bevor ich auf eine Frage antworte, in dem ich die erste fertige Formulierung noch nicht nehme.
Es lohnt sich, diesen Moment zu suchen. Denn dort, wo der Gedanke noch Bild ist, wo er beweglich ist, wo das Herz sprechen kann — dort entsteht das Neue. Nicht in der Wiederholung dessen, was schon Sprache geworden ist.





