In dieser Podcast-Folge #149 spreche ich zum Thema meines Buches Fully Human - Being Fully Human in the Age of AI, das ich vor sieben Jahren, also 2019, herausgebracht habe. Die deutsche, leicht erweiterte Auflage heist: Die mutige Führungskraft. Führung auf Basis eines erweiterten Menschenbildes. Beide Bücher sind auf Amazon, oder direkt bei mir erhältlich.
Worum geht es mir darin? Ich habe versucht, als Laie – das betone ich ausdrücklich, als Laie und Zeitgenosse, der die Zeichen der Zeit zu lesen versucht – die künstliche Intelligenz ins Verhältnis zum Menschen zu setzen. Daher der Titel Fully Human: Wie erhalten wir unsere volle, ja unsere noch gar nicht erreichte Menschlichkeit angesichts der schnellen Entwicklung der KI?
Im ersten Kapitel beschreibe ich kurz, was aus meiner Sicht passiert, wenn die Maschine das Niveau menschlicher Intelligenz erreicht – die sogenannte künstliche generative Intelligenz, KGI – und was geschieht, wenn sie diese Niveau überschreitet und schlauer wird als die Menschheit. Nick Bostrom hat das in seinem Buch Die Intelligenz-Explosion beschrieben. Dort zeigt er auf, wie die Maschine dann exponentiell schneller lernt als vorher und wie es unmöglich wird, dass wir das noch kontrollieren können. Wir wissen also dann nicht mehr, wie die Maschine reagieren wird, was sie tun wird.
Wir schaffen uns also etwas hochintelligentes, verbinden es u.a. auch mit Waffen und Krieg – und wissen nicht, wie diese Intelligenz denkt und handeln wird. Man sieht ja jetzt schon menschenähnliche Roboter, die perfekt Tischtennis spielen oder leichtfüßig über Hürden springen und die Bewegung dann sogar rückwärts wiederholen wie ein abgespielter Film. Faszinierend – das kann ein Mensch nicht. Bei aller berechtigten Faszination bin ich aber skeptisch, dass das gut ausgeht, wenn wir uns nicht auch selbst als Menschen weiterentwickeln.
Und hier liegt ein Kern: Menschliche Entwicklung geht langsam. Und wenn sie langsam geht, geht sie gesund. Sobald es schneller geht, fällt man leicht in ungesunde Extreme. Gesunde Entwicklung sollte einhergehen mit einem gesunden Gleichgewicht verschiedener Fähigkeiten und Eigenschaften.
Viele sagen: Die KI ist nur ein Werkzeug, es kommt darauf an, wie wir sie nutzen. Das stimmt natürlich - bis zu einem gewissen Punkt der Entwicklung der KI, nämlich der künstlichen generativen und Super-Intelligenz. Wir haben es mit einem selbstlernenden System zu tun. Das ist logischerweise eine Black-Box. Damit verbunden ist das Alignment-Problem: Wie bringen wir der KI unsere moralisch-ethischen Werte bei – und vor allem, hält sie sich dann daran?
Meine große Sorge ist, dass wir uns etwas schaffen, das wir nicht mehr kontrollieren können.
Das bringt mich zurück zur Frage nach dem Menschsein, dem Fully Human. Welche Aufgabe geben wir uns? Es gibt jene, die sagen, der Übergang auf die Maschine sei der natürliche nächste Entwicklungsschritt der Menschheit. Ich bin anderer Auffassung. Ich möchte mein Menschsein erhalten und mein Potential weiter entfalten können.
Dafür lohnt sich der Blick auf den Menschen selbst. Man kann ihn in drei Bereiche gliedern: oben das Nerven-Sinnes-System, in der Mitte das rhythmische System mit Herz und Lunge, unten den Stoffwechsel mit den Gliedmaßen. Jedes dieser Systeme hat zwei Aspekte – einen inneren und einen, der den Kontakt nach außen herstellt. Beim Herzen etwa ist der Herz-Kreislauf das Innere, der Atem der Bezug nach außen.
Und genau hier liegt eine wunderbare Möglichkeit. Bei der Herzübung von HeartMath gehe ich erstens mit dem Bewusstsein in die Herzgegend, atme zweitens dort etwas langsamer, so wie es angenehm ist, und rufe drittens ein kraftgebendes Gefühl auf – Dankbarkeit, Wertschätzung, Mitgefühl, Liebe, Frieden. Über die Schnittstelle des Atems gestalte ich bewusst mein inneres System und beeinflusse so den Herzrhythmus und die Herz-Raten-Variabilität (HRV) – Aus einem nervösen Zustand wird so ein harmonischer, kohärenter Zustand.
Das Entscheidende daran: Ich kann mich bewusst für ein kraftgebendes Gefühl entscheiden. Viele Menschen wissen gar nicht, dass das möglich ist. Schmerzhafte Dinge passieren uns – dagegen können wir oft nichts tun. Aber wie ich innerlich damit umgehe, das liegt in meiner Hand. Diese freie Einflussmöglichkeit haben wir als Menschen, auch wenn sie nicht immer leicht ist.
Vielleicht erscheint es überheblich, in Zeiten von Krieg und Leid über solche Dinge zu sprechen. Aber gerade wer nicht in diesen extremen Situationen ist, hat vielleicht sogar die Aufgabe, etwas aus seinem Leben zu machen. Mir geht es darum, dass wir uns immer wieder bewusst zu machen, welch riesiges Potenzial wir Menschen haben. Was ich heute gezeigt habe, ist nur ein kleiner Ansatz – weitere folgen.
Herzlichen Dank fürs Lesen, und bis zum nächsten Mal.
Alexander Schwedeler




