Welche Eigenschaften, Qualitäten oder Fähigkeiten braucht man als CEO? Darüber ist schon viel geschrieben worden. Trotzdem erscheint das Thema immer wieder aktuell und neu. Die Herausforderungen an die Führung bleiben doch ähnlich, egal wie sich die Welt entwickelt.
Wirken durch andere
Das Erste, was man feststellt, wenn man die Rolle eines CEO übernimmt, ist, dass man nun durch andere wirken muss. Man hat nicht mehr die Zeit, die Dinge selbst zu tun. Das müssen nun andere tun. Als CEO dagegen kümmere ich mich um mein Team und um die Eigentümer. Impulse, die ich setze, müssen von anderen aufgegriffen und umgesetzt werden. Für manche Führungskraft, die in ihrer Karriere eine Ebene aufsteigt, ist das offensichtlich nicht einfach. Immer wieder beobachte ich, wie Geschäftsführende und CEOs viel zu stark operativ tätig sind und deshalb zum Beispiel wichtige Personalentscheidungen verschleppen, verpassen oder gar gravierende Fehlentscheidungen treffen. Das kann leicht passieren, wenn man sich in der leitenden Rolle zu wenig Zeit für diese wichtigen Fragen nimmt und sich immer wieder zu lange und zu tief in operative Fragestellungen hineinziehen lässt.
Rein ins Detail und rechtzeitig wieder raus
Ein weiteres wichtiges Element für einen CEO ist die Fähigkeit zu erkennen, wann man sich tief in Detailfragen hineinbegeben muss und wann man sich rechtzeitig wieder herauszieht. Letzteres ist essenziell, um den großen Überblick zu behalten. Wer sonst hat diesen Überblick, wenn nicht die oder der CEO? Es kann sein, dass ein Team oder eine Mitarbeiterin nicht weiterkommt. Dann kann es angebracht sein, dass man als CEO mit guten Fragen tief in das Thema einsteigt und es sich erklären lässt. Vieles löst sich schon durch so ein Gespräch. Jetzt muss man als CEO sich selbst, die andere Person oder das Team und den Inhalt, um den es geht, sehr aufmerksam wahrnehmen und gut erspüren, wann man sich wieder herauszieht. Erst dann kann die Mitarbeiterin die nächsten Schritte wieder allein gehen. Man darf nicht zu früh raus und nicht zu spät. Beides ist nicht gut. Keiner sagt einem, was hier richtig ist. Das kann man nur selbst herausfinden und allenfalls im Nachhinein mit einem Coach reflektieren.
Die Bodenhaftung nicht verlieren
Als CEO oder Geschäftsführende ist man exponiert, verdient mehr als die anderen und genießt gewisse Privilegien, wie zum Beispiel eine Assistenz oder Vorteile auf Reisen. Das kann sehr leicht dazu führen, dass man die Bodenhaftung verliert. Man gewöhnt sich zum Beispiel daran, dass jemand anderes sämtliche Reisen für einen bucht. Oder man hat eine gute PR-Abteilung, die den eigenen Außenauftritt samt Social Media für einen vorbereitet, einen berät und Auftritte organisiert. Dann braucht man nur noch anzureisen, aus dem Taxi zu steigen, die Rede zu halten, danach einige Fragen zu beantworten und nach einem gemeinsamen Umtrunk mit dem Taxi ins vorgebuchte Hotel zu fahren. Das sind kleine Dinge, die sich bei jemandem mit narzisstischer Tendenz groß und verheerend auswirken können. Ganz subtil, mit der Zeit, gewöhnt man sich auch daran, dass alle immer freundlich zu einem sind und lachen, wenn man selbst einen Witz macht, auch wenn er gar nicht witzig war.
So kann es leicht passieren, dass man nicht mehr gut zuhört, dass man sich immer mehr selbst genießt, dass man wichtige Entscheidungen verschiebt, dass man die Tür zum eigenen Büro immer öfter geschlossen lässt. So verliert man den Kontakt zu seinem Team, zu den Menschen. Man fragt weniger. Man grüßt weniger aufmerksam und nicht mehr jeden. All das führt in die Isolation und dazu, dass man das Unternehmen oder die Organisation, für die man verantwortlich ist, bewusstseinsmäßig immer weniger durchdringt. Es entstehen Konflikte auf den unteren Ebenen. Der Konkurrenzkampf nimmt zu, ebenso das Silodenken. Der CEO fragt nicht mehr nach Feedback und kümmert sich nicht mehr um kritischen Diskurs.
Für Aufsichtsräte, deren Aufgabe es ist, die Geschäftsleitung einzusetzen und auch abzusetzen, wenn die Leistung nicht stimmt, ist es oft nicht leicht, diese subtilen narzisstischen Verhaltensweisen zu erkennen. Manchmal wachen Aufsichtsräte erst auf, wenn bereits Verluste eingetreten sind und man sich fragt, wo die Ursache dafür liegt.
In den nächsten Folgen werde ich weitere Eigenschaften erfolgreicher CEOs beleuchten.
Herzliche Grüße
Alexander Schwedeler


